Locker bleiben

EMPFEHLUNG

Oft hört man den Tipp, dass man beim Spielen locker bleiben muss. Doch was bedeutet das genau? Wie kann ich gezielt locker bleiben?

Muskeln sind entweder ganz angespannt oder gar nicht. Einen Zwischenweg gibt es nicht. Man muss aber trotzdem Kraft aufbringen, um etwas bewegen zu können. Beim „locker bleiben“ kommt es also darauf an, Muskeln gezielt einzusetzen. Jeder Muskel der nicht für die Bewegung gebraucht wird, muss locker bleiben, sonst blockiert er die Bewegung. Das verlangsamt die Schnellkraft, mindert die Beweglichkeit und behindert die unterbewusste Korrektur der Bewegung. Dabei kann die Anspannung von Muskeln sehr weit „abstrahlen“. Bei untrainierten Bewegungen können so auch Muskeln angespannt sein, von denen man gar nicht erwarten würde, dass sie etwas mit der Bewegung zu tun haben könnten. Zusätzlich zu diesem Effekt können Muskeln auch aufgrund von Schonhaltungen angespannt werden. Das passiert z.B. bei Fehlhaltungen, bei denen man in der Bewegung aus der Balance gerät.

Anspannung erkennen

Das deutlichste Zeichen für Anspannung sind Schmerzen. Hat man nach längerem Spielen Schmerzen, macht man etwas falsch. Das passiert bei groben Fehlern und sollte unter allen Umständen vermieden werden. Auch wenn das bedeutet, dass man erstmal Spiele verliert. Im Training sollte man dann unbedingt sehr langsam sein, um Fehler in der Bewegung zu erkennen und konsequent abzutrainieren. Es gibt genug Spieler, die aufgrund falscher Technik nicht mehr spielen können. Schmerzen können auch nach dem Spielen in Form von Muskelkater auftreten. Am Anfang ist das noch nicht bedenklich, weil man sich erst an die Bewegungen oder die Dauer von Turnieren gewöhnen muss. Tischfußball ist aber kein körperlich sonderlich anstrengender Sport. Mit der richtigen Technik wird man schnell keine Probleme mit Muskelkater haben (falls überhaupt).

Durch das „Abstrahlen“ von Anspannung, kann man sie auch an Beschwerden in anderen Körperteilen erkennen. Spannungen im Rückenbereich kommen durch eine falsche Haltung. Vor allem größere Spieler sollten auf einen guten Stand achten.

Bei Beschwerden über längere Zeit sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Tischfußball ist zwar in der Sportmedizin nicht wirklich bekannt, aber man kann zusammen etwas ausarbeiten. Manche Probleme lassen sich auch von anderen Sportarten ableiten, wie z.B. der Tennisarm.

Die meisten Anspannungsfehler haben aber zum Glück nicht so schwere Auswirkungen. Die Auswirkungen wird man nur in seinem Spiel erkennen. Ein typischer Fall, bei dem man die „Abstrahlung“ von Anspannung erkennt, ist beim Passen. Strengt man sich zu sehr an, den Pass zu spielen, geht die Anspannung über auf die rechte Hand und man fängt den Ball nicht, weil die Hand den Griff zu fest hält. Der Ball prallt dann von der Puppe ab.

Man kann die „abgestrahlte“ Anspannung auch schon vor dem Pass oder Schuss erkennen. Bei zu angespannter Haltung ist man nämlich nicht mehr in der Lage, ruhig zu Atmen. Wippt man auf dem Ball vor einem Schuss, wandert mit ihm oder führt ihn im Tic Tac, muss man so locker sein, dass es kein Problem ist, ein und aus zu atmen. Stockt man oder muss man den Atem erzwingen, ist man zu angespannt. In der Aktion (Schuss oder Pass) ist das anders. Dort gibt es eine gezielte, schnelle Bewegung, bei der man nicht ruhig atmen kann. Diese Bewegungen werden durch ein Ausatmen oder Atem halten begleitet.

Blockierende Spannung ist schwieriger zu erkennen. Sie behindert die Schnellkraft und die unterbewusste Korrektur des Schusses. Man erkennt sie daran, dass man eine gewisse Hemmung beim Schuss hat, weil Muskeln schon vorher angespannt sind oder zusätzlich angespannt sind. Mit Videoaufnahmen kann man auch erkennen, ob der Schuss langsam ist. Zusätzliche Muskeln werden auch benutzt, wenn der Stand nicht stabil ist. Sie halten die Balance während dem Schuss und können auch „abstrahlen“. Man muss in seinem Stand jederzeit dazu in der Lage sein, alle (relevanten) Stangen und Figurenbewegungen umsetzen zu können, ohne den Stand ändern zu müssen. Diese Beweglichkeit wird neben dem Stand auch durch die Lockerheit bestimmt. Hat man zu viel Grundspannung oder spannt überflüssig viele Muskeln an, wird diese behindert. Das bringt auch eine gewisse Hemmung mit sich. Die Schwierigkeit bei der Erkennung von Hemmungen ist leider, dass man sie nur erfährt, wenn man schonmal erlebt hat, wie sich eine ungehemmte Aktion anfühlt.

Anspannung beheben

In diesem Artikel bin ich vor allem auf Anspannung aufgrund von Technikschwächen eingegangen. Diese Probleme lassen sich durch eine saubere und viel trainierte Technik beheben. Zum Thema saubere Technik findest du viele Artikel in unserer Technikrubrik. Der andere Aspekt von Anspannung ist Mentalität. Im Training ist man natürlich viel entspannter, als in einer Turniersituation. Tipps zum Thema Mentalität findest du in der Rubrik Psychologie.

Ein Trick den ich selbst gerne anwende, ist das achten auf Atmung. Wenn ich vermute, dass ich zu angespannt bin, prüfe ich mit einer ruhigen Atmung, ob meine Vermutung stimmt. Dieser Test ist gleichzeitig auch eine Lösung. Man kann sich nicht dazu zwingen, locker zu bleiben. Stattdessen muss man sich auf andere Dinge konzentrieren. Wenn ich mich auf eine ruhige Atmung konzentriere, werde ich automatisch entspannter.

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Über Lukas Übelacker 46 Artikel
Lukas Übelacker ist Gründer von „Ungeblogt“ und spielt Bundesliga für den 1. Kicker Club Kaiserslautern. Bei P4P hatte er 2014 seinen Durchbruch als zweitbester Neuling des Jahres. Seit 2016 ist er Vizepräsident Ausbildung des DTFB und in der Rules Commission des ITSF.

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