Defensive 5er Reihe

EMPFEHLUNG

Verteidigen auf der 5er Reihe ist wahrscheinlich das schwierigste Thema im Tischfußball. Im Gegensatz zum Verteidiger hat man nur eine Reihe mit der man verteidigen kann und verliert so viele Möglichkeiten zum decken. Die Möglichkeiten, die man noch hat, lassen sich in drei Gruppen einteilen: Reagieren, Shuffle und Stehen bleiben.

Reagieren

Der Gegner passt und man versucht den Ball zu reagieren. Diese Deckung kennt jeder und hat sie bestimmt am Anfang eingesetzt. Man kann aber auch auf höchstem Niveau noch reagieren. Durch eine Reaktionsdeckung setzt man den Gegner unter Druck, weil er seine Pässe technisch gut spielen muss, um durchzukommen. Am besten klappt das, wenn der Gegner gezeigt hat, dass er einen Pass (z.B. Feld) nicht gerne oder gut spielt. Der Nachteil dieser Deckung ist aber, dass man mit Fakes sehr schnell ausgespielt werden kann. Hier hilft es die Fakes des Gegners im Spiel zu lernen, um nicht immer direkt zu reagieren. Wenn man nur auf die Bewegung des Balls achtet, hat der Gegner es schwieriger Fakes zu spielen. Es gibt nämlich weniger Ballführungsfakes (Verschiedene Geschwindigkeiten) als Puppenbewegungsfakes (An die Bande fahren, Schuss täuschen, Stellung zum Ball,…)

Shuffle

Man bewegt sich schnell und möglichst unrhythmisch. Die Lücken sind dadurch schwieriger zu erkennen und das Zeitfenster für Pässe sehr klein. Spielt der Gegner seine Pässe auf offene Lücken, ist diese Deckung sehr gut. Spielt er allerdings darauf, dass man wegzieht, sieht es schlechter aus. Im Gegensatz zur Verteidigung kann nicht von einer zweiten Reihe eine Puppe an die Stelle ziehen, an der vorher die andere Stand. Zieht man also von einer Position weg, ist für einen gewissen Zeitraum die Lücke und so der Pass offen.

Stehen bleiben

Manchmal ist es am besten einfach nur stehen zu bleiben. Diese Deckung ist vor allem gut, wenn der Gegner auf eine Position passt, von der man wegzieht. Man kann den Gegner so aber auch zu einem Pass zwingen. Je nachdem wo der Ball gerade ist, sind die Pässe für den Gegner unterschiedlich schwer zu spielen. Rollt der Ball z.B. auf die Bande zu, ist es technisch leichter den Ball an die Bande zu passen. Erfahrene Spieler wissen das und spielen deswegen lieber den Feldpass in dieser Situation. Man wechselt also je nach Ballposition die Position auf der man stehen bleibt. Um einen Pass zu provozieren, kann man von der Position wegziehen und direkt wieder hinziehen. Zwar ist die Geschwindigkeit auch wichtig, aber es ist wichtiger, dass die Bewegung flüssig ist, um sich nicht zu verraten. Schwach ist diese Deckung gegen Spieler, die auf offene Lücken spielen. Jeder Spieler braucht allerdings unterschiedlich lange, um auf eine offene Lücke zu reagieren. Die Zeit bis zu dieser Erkenntnis und dann zum Pass nenne ich Totzeit. Wenn man sie kennt, kann man mit dieser Deckung den Gegner auch gezielt locken. Es geht bei dieser Deckung vor allem darum, dass man die Gewohnheiten und Fähigkeiten des Gegners gut einschätzen kann. Man sollte aber auch bei den anderen Deckungsbewegungen den Gegner einschätzen können, um sich für die richtige Deckung zu entscheiden. Bei jedem Ball setzt sich die Deckung aus verschiedenen Deckungsbewegungen zusammen und man muss die richtige Komposition und das richtige Timing finden.

Die folgenden Fragen sollen euch dabei helfen, euren Gegner besser einschätzen zu können, um euch für die richtige Deckung zu entscheiden:

Welche Pässe spielt der Gegner?

Wenn man das Repertoire des Gegners ungefähr kennt, ist es leichter die Pässe weiter zu kategorisieren. Außerdem spielen viele ihr gesamtes Repertoire nur von 1-2 Punkten ausgehend.

Von welchen Punkten spielt der Gegner welchen Pass?

Das ist vor allem eine Technikfrage. Viele spielen ihre Pässe an die Bande in Bandennähe und ihre Feldpässe weiter im Feld. Dasselbe gilt auch für die Rollrichtung des Balls. Auch hier sind manche Pässe aufgrund der Rollrichtung einfacher. Bei fortgeschrittenen Spielern ist der Effekt übrigens genau umgekehrt und sie werden den „schwereren“ Pass bevorzugen.

Gibt es Unterschiede in der Anrollgeschwindigkeit?

Bandenpässe sind meistens leichter zu spielen als Feldpässe. Deswegen werden schnell gespielte Bälle eher an der Bande durchgepasst. Dasselbe gilt auch, wenn das Setup sehr lang und ausladend ist. Das ist zwar nicht immer so, aber ein guter Ausgangspunkt. Spielt der Gegner bei schnellen Bällen leiber ins Feld, sollte man sich entsprechend anpassen können.

Hat der Gegner einen Lieblingspass/Unsicheren Pass?

In Drucksituationen greifen viele auf ihre sichersten Pässe zurück. Oftmals ist der erste Pass gleich dem Matchballpass. Genauso kann man unsichere Pässe ausnutzen. z.B. mit einer reaktiven Deckung, um den Gegner noch weiter unter Druck zu setzen. So fängt er noch seltener seine unsicheren Pässe.

Welchen Pass spielt der Gegner nachdem er geblockt worden ist?

Spielt er, nachdem man z.B. an der Bande geblockt hat, nochmal Bande oder einen Feldpass? Mit dieseer Frage kann man vor allem beantworten, ob der Gegner versucht zu konditionieren oder zu überraschen. Viele halten an einer dieser beiden Strategien fest und man kann sie so sehr gut blocken.

Welchen Pass spielt er, nachdem er durchgekommen ist?

Im Prinzip die gleiche Frage wie davor. Über mehrere Bälle können sich so Muster erkennen lassen, die evtl. auch unabhängig vom eigenen Deckungsverhalten sind und entsprechend durch stehen bleiben oder locken geblockt werden können.

Welche Pässe spielt der Gegner mit Fake, welche ohne?

Normalerweise würde ich einen Fake immer zum Setup zählen. Man kann aber auch Pässe mit Fake als Ganzes betrachten. Ein typischer Feldpass mit Fake wäre eine Wischbewegung hinter dem Ball mit direktem Feldpass. So wie die Wischbewegung angefangen hat, ist der Gegner so in der Bewegung drin, dass er nicht mehr reagieren kann. Im Grunde ist diese Frage aber eine Weiterführung der ersten Frage (Welche Pässe spielt der Gegner?) und man versucht nur sein Repertoire herauszufinden.

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Über Lukas Übelacker 46 Artikel
Lukas Übelacker ist Gründer von „Ungeblogt“ und spielt Bundesliga für den 1. Kicker Club Kaiserslautern. Bei P4P hatte er 2014 seinen Durchbruch als zweitbester Neuling des Jahres. Seit 2016 ist er Vizepräsident Ausbildung des DTFB und in der Rules Commission des ITSF.

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