Schießen auf reaktive Deckung

EMPFEHLUNG

Eine der grundlegensten Deckungsstrategien ist die reaktive Deckung. Wie der Name schon sagt, versucht der Gegner den Schuss zu reagieren. Im Grunde kommt es also nur darauf an, schneller als der Gegner zu sein. In diesem Artikel findet ihr Tipps und Tricks, wie ihr auf diese Deckung schießen könnt.

Ansatz reduzieren

Die Geschwindigkeit des Schusses selbst reicht in den allermeisten Fällen aus, damit man nicht reagiert werden kann. Man kann sich aber schon vor dem eigentlichen Schuss durch seine Körperhaltung verraten:

  • Hand anspannen
  • Schulter bewegen
  • Druck auf den Ball geben
  • Oberkörperhaltung
  • Beinstellung
  • usw.

Diese Ansätze sind immer individuell und können sehr verschieden sein. Gleich ist aber immer, dass der Gegner sehr früh daraus schließen kann, welchen Schuss man vorhat.

Aus diesem Grund wird auch gesagt, dass man locker schießen soll. Man reduziert damit Bewegungen, mit denen man sich verrät. Außerdem wird der Schuss konstanter, weil ein lockerer Arm beweglicher ist. Man verreißt den Schuss also nicht. Den Ansatz kann man auch durch eine kürzere Ausholbewegung reduzieren. Das spielt aber eher in einen lockereren Schuss (was ja auch den Ansatz reduziert). Statt den Ansatz zu reduzieren, kann man auch einen Mindestansatz einsetzen. Wenn also schon das Setup einen gleichbleibenden Ansatz hat und für den Schuss der Ansatz nicht erhöht wird, bleibt dem Gegner weniger Zeit zum reagieren. 

Weniger kryptisch formuliert meine ich damit das Wippen auf dem Ball. Viele Jetschützen machen das zum Beispiel. Damit ist gemeint, dass man auf dem Ball nach links und rechts rollt. Jedes rollen nach links bzw. nach rechts ist ein Ansatz. Diese Ansätze kommen aber in so kurzen Zeitabständen, dass der Verteidiger nicht auf jedes Wippen reagieren kann. Beim Schuss erhöht sich der Ansatz nicht, weil man im Setup bereits den gleichen Ansatz durch das Wippen hat. Außerdem hat man einen gewissen Schwung und kann den Ball lockerer zur Seite bewegen.

Reaktion abtasten

Achtet der Gegner auf einen Ansatz, kann man natürlich auch versuchen, dem Gegner falsche Signale zu senden. Man imitiert die Signale auf die der Gegner achtet, um eine Reaktion hervorzurufen. Nicht jeder Gegner reagiert dabei auf die gleichen Signale. Es kommt darauf an, worauf der Gegner reinfällt und welche Schüsse er versucht zu reagieren. Deswegen muss man verschiedene Bewegungen ausprobieren. Mögliche Bewegungen sind:

  • Zucken (schnelles Rollen auf dem Ball in eine Richtung)
  • Springen (Ball in eine Richtung schlagartig losrollen lassen und wieder klemmen)
  • Kreisen (vom Ball gehen, einmal um ihn herum kreisen und wieder klemmen)
  • Klopfen
  • usw.

Mit diesen Bewegungen kann man abtasten, welche Lücken der Gegner versucht zu reagieren. Um zu überprüfen,  ob der Gegner auf technische Ansätze achtet, kann man die oben aufgelisteten Fehler in der Körperhaltung antäuschen.

Wie reagiert der Gegner, wenn ich auf die freie Lücke täusche?

Wenn der Gegner versucht zu reagieren, lässt er zwangsläufig mindestens eine Lücke, die er dann beim Schuss zuziehen möchte. Macht er beim Täuscher eine plötzliche Bewegung, weiß man, dass man den richtigen Täuscher gefunden hat. Die plötzlichen Bewegungen können Mitfahren, Gegenfahren, Stehen bleiben, Verkrampfen oder Fuchteln sein.

Wie reagiert der Gegner, wenn ich auf die geblockte Lücke täusche?

Manche reagieren auch dann, wenn man nach rechts täuscht, obwohl sie schon vor der rechten Lücke stehen. Das passiert meistens bei unerfahrenen oder angespannten Verteidigern.

Beide Fragen sollte man beantworten können, bevor man zum eigentlichen Schuss kommt.

Gegner überraschen

Je nachdem worauf der Gegner achtet und welches Schusssystem man spielt, gibt es verschiedene Optionen.

Der Wechsler ist eine recht einfache Möglichkeit für viele Schusssysteme. Man springt dabei in eine Richtung, schießt dann aber in die Andere. Der Schuss muss nicht brutal schnell sein, schließlich muss der Gegner den Fake auch verstehen. Wichtiger ist stattdessen, dass der Schuss flüssig kommt. Sonst hat man wieder das Problem, dass man einen Ansatz drin hat, auf den der Gegner reagieren kann.

Die technisch leichtere Version davon ist ein angezuckter Schuss. Vor allem aus statischen Systemen, wie dem Rechtslang, ist das eine wichtige Option. Bei Ziehern ist das genauso, nur dass die Zuckbewegung anders aussieht als bei Systemen mit geklemmtem Ball. Für Langsysteme gibt es auch sogenannte Drops. Bei diesen Schüssen lässt man den Ball liegen und schießt mit einer Außenpuppe gerade oder schräg.

Generell gilt, dass man einen Schuss auf eine Position antäuscht und auf eine andere Position schießt.

Man kann den Gegner auch überraschen, wenn man mit seiner Erwartungshaltung spielt. Hat der Gegner also gelernt, dass man in eine Richtung zuckt, aber die andere schießt, könnte er sich daran anpassen. Wenn man auf die geblockte Lücke täuscht und der Gegner reagiert nicht, kann er denken, dass er bereits richtig steht. In diesem Fall kann man z.B. auf die Zwischenposition schießen. Auch ist es wichtig mit welcher Puppe der Gegner reagiert. Reagiert der Gegner mit dem Torwart, kann man sehr gut einen schrägen Schuss anbringen.

So ergeben sich für jedes System viele Möglichkeiten den Gegner mit einer ungewöhnlichen Option zu überraschen.

Unangenehm machen

Egal wie schnell man schießt oder wie gut man den Gegner abtastet, reagiert werden kann man immer. Es reicht, wenn man einmal seinen Schuss nicht sauber genug spielt, der Gegner einen Täuscher nicht versteht oder ausnahmsweise schnell genug reagiert. Deswegen muss man es dem Gegner so unangenehm wie möglich machen zu decken. Damit schwächt man ihn und kann so Schwankungen ausgleichen.

Der wichtigste Punkt ist Zeit lassen.

Viele Spieler bringen nicht die nötige Geduld auf, aber es gibt viele Möglichkeiten die Zeit zu nutzen:

  • Sammeln (um den Schuss technisch sauber zu spielen)
  • Gegner abtasten (wie oben beschrieben. kurz: Setup)
  • Zählen (bis 10, 11, 12,…)
  • usw.

Lässt man sich Zeit, schwächt das die Reaktionen des Gegners. Er muss seine Konzentration die ganze Zeit aufrecht halten. Je weiter das Spiel fortgeschritten ist, desto schwieriger wird es, weil es unglaublich anstrengend wird die Konzentration aufrecht zu halten. Man muss natürlich aufpassen, dass man beim Zeit lassen nicht immer mit dem gleichen Timing schießt. Viele Spieler können sich auf ein gleichbleibendes Timing intuitiv einstellen. Da reicht es aber aus, wenn man sich 1-2 Sekunden mehr oder weniger Zeit lässt. Wenn es die Technik zulässt, kann man auch Positionen wechseln. Jede Position signalisiert ein anderes Schusssystem, auf das sich der Gegner einstellen muss. Man muss natürlich immer den Eindruck machen, jederzeit zuschlagen zu können. Oft reicht es aber 2 Schüsse (inklusive Kurbler) von den zusätzlichen Positionen zu haben. Von seiner Standardposition hat man schließlich mehr und der Gegner muss sich auf die neue Position einstellen.

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Über Lukas Übelacker 46 Artikel
Lukas Übelacker ist Gründer von „Ungeblogt“ und spielt Bundesliga für den 1. Kicker Club Kaiserslautern. Bei P4P hatte er 2014 seinen Durchbruch als zweitbester Neuling des Jahres. Seit 2016 ist er Vizepräsident Ausbildung des DTFB und in der Rules Commission des ITSF.

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