Time Out

EMPFEHLUNG

In einem Time Out bekommt man 30 Sekunden Zeit während dem Spiel. Das bietet neben tauschen und sammeln viele strategische Einsatzmöglichkeiten.

Wann man das Time Out nimmt, kann über Sieg und Niederlage entscheiden. Es ist Teil des Mental Games und kann entweder einem selbst helfen oder ist ein Werkzeug, um den Gegner zu beeinträchtigen.

Wie nehme ich ein Time Out?

Wenn der Ball nicht im Spiel ist, kann man jederzeit ein Time Out nehmen. Also auch, wenn z.B. der Gegner Auflage hat. Ist der Ball im Spiel, darf die Mannschaft in Ballbesitz ein Time Out nehmen. Dafür ruft man „Time Out“ oder dreht sich komplett vom Tisch weg (Regel 9.4). 

Um den Ball wieder ins Spiel zu bringen, fragt man den Gegner, ob er spielbereit ist. Ist der Gegner bereit, bringt man den Ball über das „Fertig“-Protokoll (Regel 4.2(.2)) ins Spiel. Man fragt also den Gegner 2-Mal, ob er bereit ist, weil beide Mannschaften die 30 Sekunden voll ausnutzen dürfen.  Mit der ersten Frage deutet man also an, dass man das Spiel wieder aufnehmen möchte.

Was bringt ein Time Out?

Es gibt ganz unterschiedliche Gründe ein Time Out zu nehmen. Ich versuche möglichst viele abzudecken, aber ich glaube es gibt noch viele mehr.

Wechsel Time Out

Im Doppel hat man während dem Time Out die Möglichkeit zu wechseln. Das kann man verwenden, um den Partner den Ball wegschießen zu lassen, den Matchball zu halten usw. Hat der Gegner Auflage, kann man auch in umgekehrter Besetzung starten und bei Ballbesitz mit einem Time Out wieder zurück wechseln.

Fairness Time Out

Auf jeder Reihe darf man den Ball 15 Sekunden (auf der 5er Reihe 10 Sekunden) behalten. Zwar darf der Gegner kein Foul reklamieren, wenn man länger braucht (nur ein Zeitschiedsrichter), aber aus Fairness Gründen kann man ein Time Out nehmen, wenn man denkt, dass man den Ball schon zu lange hat.

Ein solches Time Out kann auch helfen, wenn man nicht mehr über das Spiel, sondern über die verbleibende Zeit nachdenkt.

Medizinisches Time Out

Wenn man sich geschnitten oder gestoßen hat, einen Krampf kriegt oder sonst irgendetwas, sollte man ein Time Out nehmen. Die Ablenkung kann spielentscheidend sein. Man sollte auch den Gegner bitten, es als medizinisches Time Out gelten zu lassen. Ein medizinisches Time Out zählt nämlich nicht zu den regulären 2 Time Outs pro Satz.

Ein solches Time Out darf normalerweise nur von der Turnierleitung oder anwesenden Schiedsrichtern gegeben werden. Deswegen darf man niemandem böse sein, wenn er es nicht als medizinisches Time Out anerkennt. Ich würde es bei offensichtlichen Verletzungen oder schnell zu behebenden Problemen allerdings aus Fairplaygründen zulassen.

Störendes Time Out

Man kann mit einem Time Out auch den Gegner in den unterschiedlichsten Situationen stören. Regt sich der Gegner z.B. gerade auf, kann man ein Time Out nehmen, damit er sich hineinsteigert. Dabei darf man den Gegner nicht mit irgendwelchen Sprüchen provozieren. Gegen viele reichen aber die 30 Sekunden Zeit zum Nachdenken aus, um ihn aus dem Spiel zu nehmen. Mit einem Time Out kann man auch den Rhythmus des Gegners brechen (z.B. bei einem Lauf).

Beruhigendes Time Out

Es gibt immer wieder Situationen in denen man sich am liebsten aufregen würde. In einem Time Out hat man die Zeit sich zu sammeln und auf das Spiel zu konzentrieren. Regt man sich wegen einem Foul auf, sollte man vielleicht mit dem Gegner darüber sprechen. Viele Situationen lassen sich lösen, wenn man den Gegner auf das aufmerksam macht, was einen gestört hat. Man kann sich auch darüber aufregen, dass der Gegner Glück hat oder man selbst Pech. Dann sollte man sich daran erinnern, dass es Glück und Pech gar nicht gibt. Es zählt nur das spielerische, deswegen sollte man sich darauf konzentrieren.

War man zu langsam? Was hat man falsch gemacht? Was hat der Gegner richtig gemacht? Worauf achtet der Gegner? Wie bewegt er sich? usw.

Time Out bei kritischen Bällen

Es gibt Situationen in denen man unbedingt ein Tor schießen muss. Die offensichtlichste Situation ist der Match- oder Satzball. Aber auch bei einem Stand von 3:2 (bei einem Spiel bis 5) kann ein Tor entscheidend sein. Liegt man vorne, kann man durch ein 4:2 enormen Druck ausüben. Jeder Fehler kann den Gegner das Spiel kosten. Er riskiert auch wegen einem Glückstor zu verlieren. Schießt man als Führender kein Tor, setzt ein 3:3 das Spiel effektiv auf Null. Deswegen ist ein Time Out in einer solchen Situation auch entscheidend, wenn man hinten liegt.

Wie kann ich ein Time Out am besten nutzen?

Woran denkt man am besten während einem Time Out? Wie kann man sich am besten beruhigen? Was sollte ich vermeiden? Wie bekomme ich wieder Selbstvertrauen? Über solche Fragen kann man ganze Bücher schreiben. Im Tischfußballsport selbst gibt es keine Lektüre dazu. In anderen allerdings schon. Man muss zwar ein paar Dinge übertragen, aber im Prinzip ist es dasselbe Thema.

 

Wenn ich ein Time Out nehme, versuche ich die richtige Einstellung zu finden. Dabei erinnere ich mich an meine Einstellung bei einem Lauf. Während eines Laufs denke ich nur über das Spiel nach und blende alles andere aus. Es ist mir auch egal, wenn der Gegner ein (Glücks-)tor schießt. Alles was zählt ist ein gutes Spiel abzuliefern. Sollte ich das nicht hinkriegen, überlege ich, was ich besser machen kann und mache das auch. Dabei ist es nicht so wichtig, ob es funktioniert. Sollte es nämlich nicht funktionieren, denkt man sich etwas neues aus. Mit dieser „Macher“-Mentalität überwinde ich dann auch Selbstzweifel.

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Über Lukas Übelacker 46 Artikel
Lukas Übelacker ist Gründer von „Ungeblogt“ und spielt Bundesliga für den 1. Kicker Club Kaiserslautern. Bei P4P hatte er 2014 seinen Durchbruch als zweitbester Neuling des Jahres. Seit 2016 ist er Vizepräsident Ausbildung des DTFB und in der Rules Commission des ITSF.

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